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„Mein Name ist Martin, ich bin 27 und in der Abschlussklasse 2012. Ich bin zum Abendgymasium gekommen, weil ich mir etwas für meine Zukunft überlegen wollte. Ein wirkliches Ziel habe ich noch nicht, aber es steht für mich fest, dass ich an der Universität studieren möchte, und dafür braucht man nun einmal das Abitur. Ein 'Gentlemen's agreement' mit dem Chef hat mir geholfen, die Zeit für die Schule zu planen."

„Hallo, ich bin Dorin, (Abschlussklasse 2012) und 35 Jahre jung. Ich habe mit dem Abendgymnasium begonnen, um mich selbst aufzuwerten. Die Arbeit als Callcenter-Agentin hatte für mich keine Zukunft. Jetzt möchte ich 'Gesundheit und Ernährung' oder 'soziale Arbeit' studieren. Es ist nie zu spät! Ich habe das Lernen am Abendgymnasium im Vergleich mit anderen Schulen überraschend gut gefunden. Es war irgendwie leichter als vorher. Es war nicht einfach, es ist aber auch nicht unmöglich!“

„Ich heiße Christoph und bin 33 Jahre alt. Ich habe eine Ausbildung zum Außenhandelskaufmann gemacht und fühlte mich damit unbefriedigt. Nun werde ich Lehrer für Mathematik und Physik. Bei mir gab es gleich zwei Herausforderungen. Ich habe zwei Kinder im Alter von 3 und 7 Jahren und ich bin jeden Tag ca. 100 km zur Schule (Husum – Flensburg) gefahren. Umgerechnet wird mich die Hin- und Herfahrerei nach dem Abitur ca. 8.000 Euro gekostet haben. Aber das war es wert.“

Lea (22) besuchte das Abendgymnasium, weil sie etwas Sinnvolles mit ihrer Zeit anfangen wollte, anstatt TV zu gucken oder nichts zu tun. „Jetzt habe ich das Abitur und werde wohl auch noch studieren gehen. Ich freue mich auf die neue Herausforderung.“

Matthias, 27 Jahre alt, Vollzeitbeschäftigter, 13. Jahrgang, sagt: „Die letzten drei Jahre waren in jeder Hinsicht eine Herausforderung und erforderten enorme Disziplin. Ich habe täglich von 8:30 Uhr bis 17:45 Uhr gearbeitet und im Anschluss bin ich direkt zur Schule gefahren. Der Unterricht, der in der Regel bis 22:00 Uhr dauerte, sowie die Belastung durch die Arbeit ließen kaum Luft fürsLernen, Haushalt oder Einkaufen. All dies musste am Wochenende geschehen. Des Weiteren blieb auch unter diesen Umständen kaum Zeit für Freunde oder Hobbies, was durchaus auch bemerkbare Auswirkungen auf den Freundeskreis hatte. Um beruflich jedoch aufsteigen zu können und zu studieren, war das Abitur vonnöten, weshalb ich mich für das Abendgymnasium entschloss. Für einen guten Start besuchte ich vor Schulbeginn die Vorbereitungskurse der VHS, die ebenfalls am Abend stattfanden. Zusätzlich wurden seitens der Schule im ersten Jahr Förderkurse angeboten sowie im dritten Schuljahr zusätzliche Vorbereitungskurse für die Abiturprüfungen.

Ein Thema, das hier auch unbedingt erwähnt werden muss, ist die gegenseitige Unterstützung der Schüler zur Bewältigung des Schulstoffs. Lerngruppen bildeten sich schnell und die gegenseitige Motivation sowie der Austausch untereinander waren eine enorme Stütze. Dieser Rückhalt durch die Gemeinschaft ist während der drei Jahre, in denen die Anforderungen stetig steigen, essentiell. Alles in allem bleibt zu sagen, dass ich mich in den drei Jahren enorm weiterentwickelt habe, nicht nur in Sachen Wissen und Methodik, sondern auch in mentaler Hinsicht, denn man wächst mit seinen Aufgaben."

Olaf (27) ist mit 24 Jahren zum dreijährigen Marathon am Abendgymnasium gestartet. Weil er auch schon ein paar Jahre aus der Schule war, hat er die Möglichkeit der Vorbereitungskurse genutzt, um wieder reinzukommen.
"Dabei ging es mir nicht nur um den Schulstoff, sondern auch darum, sich an den Unterricht am Abend zu gewöhnen. In Mathematik bspw. wurden da in wenigen Wochen mal eben 5-6 Jahre Schulstoff wiederholt. Das war schon sehr gewöhnungsbedürftig und ich bekam wirklich ein wenig Angst davor, dass dieses Tempo beibehalten würde. Das ist aber zum Glück nicht passiert. Wer die Möglichkeit hat, das Angebot zu nutzen, der sollte das auch tun. Nicht zuletzt dadurch kommt man in der elften Klasse echt gut mit.
Doch auch ohne Vorbereitungskurs würde ich sagen: Wenn man von Anfang an gut aufpasst, muss man kaum nachlernen und man kommt relativ leicht an gute Noten. Und wie man lernen lernt, wird einem ebenfalls in der Anfangszeit vermittelt."

Sein Ziel hat sich erst während des letzten Schuljahres entwickelt. Jetzt möchte er Medieninformatik studieren. Er hat in einem Nebenjob gearbeitet und bezieht seit dem zweiten Schuljahr der zwölften Klasse BAFöG. „Man kann sich damit über Wasser halten, aber einen Nachteil hat's auch: Arbeitet man so wenig wie ich, bedarf es schon einiger Disziplin, um sich selbst für den Schulstoff zu motivieren. Aber genau das muss man, denn der Anspruch steigt merklich von Jahr zu Jahr! 'Mal eben nebenbei' wird das garantiert nichts!
Daher mein Tipp: Niemals auf den guten Noten des elften Jahrgangs ausruhen und immer dranbleiben!“

Margoth, 54 Jahre alt, Hausfrau mit zwei erwachsenen Kindern, 11. Jahrgang, sagt: "Da ich die Unterstützung durch meinen Ehemann im Haushalt habe, kann ich mir das Lernen frei einteilen. Trotzdem ist der Stress durch den Zeitdruck, aufgrund von vergleichsweise wenigen Unterrichtsstunden gegenüber einer Tagesschule, enorm. Für Wiederholungen oder Stoffvertiefungen bleibt kaum Zeit. Vieles muss zu Hause erarbeitet werden. Ich besuche das Abendgymnasium, um das Abitur zu machen, und das einfach nur für mich. Ob ich später noch studieren will, weiß ich noch nicht. Mein Mann und meine Kinder sind sehr stolz auf mich und auf meine Leistungen. Meine Eltern jedoch können den Nutzen eines solchen Vorhabens nicht sehen. Durch den Unterricht wird mein Allgemeinwissen drastisch erweitert, ich nehme durch die Schule wieder am gesellschaftlichen Leben teil und ich fühle mich seit Langem wieder als aktives Mitglied der Gesellschaft.

Klaus, 32 Jahre alt, Vollzeitbeschäftigter im Schichtdienst, 11. Jahrgang, sagt: "Da ich im Schichtdienst arbeite, jedoch regelmäßig Freiwochen habe, muss ich mir meine Zeit für das Lernen gut einteilen. Oft bleibt das persönliche Umfeld dabei auf der Strecke und es gibt große Einschränkungen bei Hobbies und Unternehmungen. Ich gehe auf das Abendgymnasium, weil ich studieren möchte, um mich beruflich weiter zu qualifizieren. Als besonders positiv empfinde ich das gute Klassenklima und den Zusammenhalt der Schüler."